Information für unsere Patientinnen und Patienten

Mit der Entscheidung, eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme für Ihr Kind zu beantragen, verbinden sich sicherlich viele Wünsche und Erwartungen an die Behandlung und die Behandlungsergebnisse für Ihr Kind. Wir möchten Ihnen daher im Vorfeld bereits einige Informationen über die Kinderfachklinik Bad Sassendorf und das therapeutische und pädagogische Behandlungskonzept geben. Natürlich können wir hier sicherlich nicht alle Fragen beantworten, doch haben Sie auch Gelegenheit, offene Fragen im Aufnahmegespräch mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu klären.

Sie werden sich nun sicherlich fragen, wie kann meinem Kind geholfen werden, wenn es zwar in altersgleichen Gruppen, aber mit Kindern, verschiedenen Störungsbildern gemeinsam behandelt wird. Wir möchten Ihnen dazu kurz die Konzeption unserer Klinik erläutern.

Unabhängig von der ärztlich gestellten Diagnose Ihres Kindes sehen wir hier bei allen Patientinnen und Patienten, dass sie durch ihre Störungen für sich zunächst das Gefühl erleben, „anders zu sein“, „krank zu sein“, aber auch erleben, dass sie mit ihren Problemen in vielen Lebensbereichen nicht verstanden werden, ausgegrenzt werden. Sie erleben, dass man sie „nicht haben will“, dass sie als „schwierig“ gelten, sie erleben Hänseleien, Aggressionen und Ablehnung. Dies führt immer wieder zu Selbstwertverletzung. Die Patientinnen und Patienten haben das Gefühl, „minderwertig“ zu sein. Oft finden sie nur noch Rückhalt in ihrer Familie, aber viele Eltern erleben sich auch zunehmend als hilflos. Auf diese Erfahrungen reagieren viele Patientinnen und Patienten mit einer Zunahme ihres Störungsbildes, hinzu kommen auch oft depressive Verstimmungen oder ein teilweise aggressives Abwehren von seelischen Verletzungen. Sie wehren sich gegen Hänseleien, können mit Kritik nicht mehr umgehen, da sie diese sehr verletzt. Wir sehen es daher als primäres therapeutisches Ziel an, die Patientinnen und Patienten in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, sie wieder mit ihren oft verschütteten Stärken und Fähigkeiten vertraut zu machen. Dies ist die Basis, dass Kinder wieder Hilfe annehmen können, sie auch einfordern können, denn nur ein selbstbewusstes Kind / Jugendlicher kann auch selbstbewusst mit Schwächen umgehen. Im Zusammensein mit anderen Patientinnen und Patienten auf der Station durch die therapeutischen und pädagogischen Gruppengespräche erfährt die Patientin / der Patient zunächst, dass andere Patienten, obwohl sie andere Störungen entwickelt haben, ähnliches erleben. Wir halten sie dazu an, miteinander zu reden, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten und sich gegenseitig zu stärken.

Praktisch sollen sie erfahren, wie man Konflikte lösen kann und sollen sich auch innerhalb der Gruppe ausprobieren. Dieses Vorgehen bezeichnen wir als milieutherapeutischen Basisansatz. Auch der Erlebnisbereich ist für Patientinnen und Patienten zur Vermittlung neuer Strategien und Selbstwertstärkung enorm wichtig. Wir arbeiten daher nicht nur mit Gesprächen, sondern auch mit praktischen Übungen und Förderungen im Rahmen der Sport- und Bewegungstherapie, der Motopädie, der Ergotherapie, der heilpädagogischen Reittherapie / tiergestützten Therapie. Gerade der Kontakt zu Tieren fördert den emotionalen Ausdruck der Patientinnen und Patienten, in der Motopädie und der tiergestützten Therapie können sie lernen, angstbesetzte Grenzen zu überwinden und zu erleben, dass sie mehr können, als sie sich zutrauen. In Sport und Spiel lernen sie wieder miteinander umzugehen, sich zuzuhören, aber auch Kritik konstruktiv anzunehmen.

Parallel hierzu wird Ihr Kind auch Therapien erhalten, die spezifisch auf sein individuelles Störungsbild abgestimmt sind. Hierzu gehört zum Beispiel bei Übergewicht und Adipositas, dass die Patientinnen und Patienten lernen, ihr Essverhalten zu kontrollieren, dass sie lernen, sich richtig zu ernähren (Ernährungslehre), dass ihre Bewegungsfreude gesteigert wird (zusätzliche Sport- und Fitnesseinheiten). Bewegungsgestörte Patientinnen und Patienten erhalten Bewegungstherapien mit Förderung von Gleichgewicht, Koordination aber auch Wahrnehmung, ebenso wird ein Sozialtraining durchgeführt. Wichtig ist auch in vielen Bereichen die Entspannungstherapie. Patientinnen und Patienten, die einnässen, erhalten verhaltenstherapeutische Programme (Weckprogramm, Selbstweckprogramm, Blasen- und Toilettentraining). Patientinnen und Patienten mit ausgesprochen seelischen Verletzungen, depressiven Verstimmungen etc. werden bei uns auch verstärkt einzeltherapeutisch gefördert, wobei die Einzeltherapie in der Rehabilitation einen primär ressourcenorientierten Charakter hat und daher nicht mit den Möglichkeiten ambulanter Psychotherapie zu vergleichen ist.. Ein weiterer wichtiger Bereich für alle Patientinnen und Patienten ist die Schule. Gerade in der Schule erleben die Patientinnen und Patienten immer wieder, nicht verstanden zu werden. Sie werden als erziehungsschwierig abgestempelt, als lustlos empfunden, ihre inneren Nöte und Defizite werden oft nicht gesehen. Die Kinderfachklinik Bad Sassendorf verfügt über eine klinikeigene Schule in öffentlicher Trägerschaft der Gemeinde Bad Sassendorf, die es ermöglicht, in kleinen Gruppen den Schulunterricht in den Hauptfächern fortzuführen. Daneben kann auch eine individuelle Förderung in der Schule durchgeführt werden, zum Beispiel Aufmerksamkeits- und Konzentrationstraining, Lese- und Rechtschreibförderung, Förderung der Rechenschwäche. Viele Kinder werden auch in unserer Schule erstmals wieder erleben, dass Lernen Spaß macht, Angst kann überwunden werden und sie können wieder an ihre Leistungsfähigkeit herangeführt werden. Oft besteht bei den Eltern die Sorge, dass ihre Kinder insbesondere dann, wenn sie bereits Schulschwierigkeiten haben, durch einen Aufenthalt in der Kinderfachklinik Bad Sassendorf während der Schulzeit noch weiter in ihren schulischen Leistungen zurückfallen bzw. viel versäumen. Sie werden aber verstehen, dass es gerade für Patientinnen und Patienten mit Schul- und Lernschwierigkeiten wichtig ist, in der Schulzeit zu uns zu kommen, damit auch die schulische Förderung fachgerecht durchgeführt werden kann und somit Voraussetzungen geschaffen werden, die eine weitere positive schulische Entwicklung in der Heimatschule bewirken.

Die Rehabilitationsbehandlung allgemein ist immer ein Teil eines Gesamtkonzeptes. Rehabilitation kann viel, aber nicht alles. Oberstes Ziel der Rehabilitation ist die Förderung und Erhaltung der sogenannten Aktivität und Teilhabe. Das heißt, die Ressourcenförderung steht im Mittelpunkt. Rehabilitation ersetzt nicht die Notwendigkeit individuelle psychotherapeutische Behandlungen der zugrunde liegenden Ursachen. Rehabilitationsfähigkeit bedeutet, dass die Patienten das Konzept und die Strukturen der Rehabilitationsklinik annehmen und eigenständig umsetzen können.

Diese Überlegungen und Konzeptionen sind Grund dafür, dass wir die Kinder und Jugendlichen zur Rehabilitationsmaßnahme ohne Eltern aufnehmen. Es ist wichtig, dass die Patientinnen und Patienten sich als eigenständig erleben oder an Eigenständigkeit hinzugewinnen, denn alleine das Gefühl, es ohne direkten Zugriff auf die Eltern schaffen zu können, fördert die Patientinnen und Patienten in ihrem Selbstwertgefühl. Das Zusammenleben in der Gruppe dient dabei gleichzeitig als soziales Lernfeld für die Patienten. Dies bedeutet nicht, dass etwas an den Eltern „vorbeiläuft“. Wir beziehen die Eltern unbedingt beratend in unsere Therapie ein. Bereits im Aufnahmegespräch haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zu klären, während des Rehabilitationsaufenthaltes Ihres Kindes haben Sie die Möglichkeit, sich telefonisch über den Rehabilitationsverlauf und die Fortschritte Ihres Kindes im Austausch mit den Therapeuten zu informieren.

Wir laden Sie auch gerne bei Bedarf zu weiteren gemeinsamen Gesprächen ein. Am Ende der Rehabilitationsbehandlung findet ein ausführliches Abschlussgespräch mit den Stationstherapeuten und den Lehrern Ihres Kindes statt, in dem wir mit Ihnen noch einmal den Rehabilitationsverlauf reflektieren und daraus Empfehlungen für das weitere Vorgehen ableiten werden.

Noch ein Wort zur Rehabilitationsdauer. Die medizinischen Unterlagen, die Sie bei der Antragstellung an Ihre Versicherung geschickt haben, werden dort von ärztlichen Mitarbeitern begutachtet. Entsprechend dieser Unterlagen haben Mitarbeiter nach fachkundiger Prüfung die Rehabilitationsklinik ausgewählt und auch die voraussichtliche Dauer der Rehabilitationsbehandlung festgelegt. Die Rehabilitationsträger merken aber an, dass die endgültige Dauer einer Rehabilitationsbehandlung letztendlich nur der Therapeut / Therapeutin der Klinik festlegen kann. Dies bedeutet, dass die vorgesehene Rehabilitationsdauer individuell über den bereits bewilligten Zeitraum hinaus verlängert werden kann, wenn dies medizinisch-therapeutisch erforderlich ist. Sie brauchen nicht in Sorge zu sein, dass wir hier willkürlich entscheiden, sondern der für Ihr Kind zuständige Therapeut wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen und eine mögliche Fortsetzung der Therapie über den bewilligten Zeitraum hinaus mit Ihnen gemeinsam beraten.

Checklisten

In unsereren Checklisten geben wir Ihnen Hinweise zu den Dingen, die Sie Ihrem Kind für die Zeit der Behandlung in unserer Klinik mitgeben sollten und die für den Aufenthalt in unserer Klinik wichtig sind.

Zum Öffnen und Download der Liste klicken Sie bitte hier:

A-Z Liste

Koffer-Checkliste